Борис Шапиро

Становление художника

Почему мне не нравится памятник жертвам холокоста в Берлине?

Europa und Russland.  Kann man ihre Gesellschaftssysteme vergleichen?

Der weg hinaus

Корабль и ковчег

Строчка из песни

Die Stimmen

Autobiographische skizze

Ein tropfen wort

Anhang

Mit dem mund

Если рано скажешь

Wer lebt verkehrt

Glaubensbedarf moderner Juden

Metarepresentations and Paradigms, Ur-version

WTK - Wissenschaft - Technologie - Kultur e. V. WTK

Experience in Technology Transfer from the CIS Countries to Germany

   
 

биография

 
 

AUTOBIOGRAPHISCHE SKIZZE

 

 

Wenn es mir schon nicht gelungen ist, eine autobiographische Abhandlung zu vermeiden, so mochte ich in ihr einen Sinn fin-den, namlich eine uberschaubare Lebensintention. Ein Gesicht soll mir vom Blatt entgegenschauen, den Keim einer Botschaft mochte ich horen. Sollte mein Leben eine Botschaft sein, sollte ich es sogar nicht wissen, von wem und an wen, will ich trotz-dem, sei es auch nur zu einem geringen Teil, mit diesen beiden etwas gemeinsam haben, mit dem, der sendet, und mit dem, der empfangt.

 

Der wichtigste Lehrer und Freund meines bisherigen Lebens war mein Vater Israel Schapiro, schlechter Dichter, geheimer Rabbiner, uneigennutziger Wirtschaftsprofessor, Rotarmist, De-serteur, Landwehrheld, Kunstsammler, ewig Verliebter, Priester der Hoffnung, in seiner Jugend Vielfra. und im Alter Asket. Sein Kosmopolitismus war so konsequent, da. nicht einmal die sozialen Grenzen fur ihn gelten konnten, er hatte Freunde in al-len Schichten, half allen, wie es nur moglich war, und verab-scheute „Dwojeduschije“ (etwa Doppelzungigkeit mit Selbstbe-trug), sein Wort, das ich nicht zu ubersetzen vermag und mit dem er eine Art Unmenschlichkeit nannte. 

 

Meine Mutter dagegen... Es ist eigentlich sehr schwer zu sagen, gegen was, aber es war immer dagegen. Vater nannte sie die Verkorperung-der-Sowjetmacht und betrog sie so kunstvoll und virtuos, wie jedes Volk die Macht des Eroberers betrugt, bis es sein Wesen verliert oder stirbt. Knapp zwei Wochen, nachdem die Arzte Vaters Tod festgestellt hatten, weigerten sich die Sani-tater, ihn in die Totenkammer zu schleppen, weil er immer wie-der meinen Namen rief, segnete und murmelte, da. er nur warte, bis ich komme. In dieser Zeit  belagerte ich die sowjetische Bot-schaft in Bad Godesberg mit einem Sitzstreik am Eingang in den

Botschaftspalast am Rheinufer, um das Einreisevisum zu erlan-gen. Er starb endgultig in der Stunde, in der mein Flugzeug in Moskau-Scheremetjewo landete. Mutter und Vater liebten ein-ander auf zwei ganz verschiedene Arten, und im alten Bot-schaftspalast am Rheinufer ist jetzt ein Antiquitatenhaus einge-richtet, allerdings nicht deswegen.

 

Meine Ausbildung fing im  Alter von funf Jahren an, als gro.ere Stra.enkinder mich verprugelten und erklarten: „Weil ihr judi-sche Schweine seid und du ein judisches Ferkel bist.“ Zu Hause beklagte ich die hochste Ungerechtigkeit, ich sei als Jude ver-prugelt worden, wo ich doch keiner sei und uberhaupt! Dem meinte Vater abhelfen zu konnen, und die Zeit sei sowieso reif. Wenige Tage spater brachte er eine herrliche Bibel mit den Do-reschen Illustrationen nach Hause, die ich sogar mit ins Bett nehmen durfte. Mutter schrie etwas von Opium fur das Volk, Vater erzahlte mir die Geschichte der Juden, wahrend ich die erhabenen Bilder anschaute.

 

Einige Zeit spater, als wir uber die nazistische Endlosung und den gegenwartigen Antisemitismus sprachen, wollte ich wissen, wie es mit den Menschen in der fern-fernen Zukunft sein wird. Da erzahlte Vater, da. irgendwann, wenn die Menschen geistig und seelisch so reif werden, da. sie sich nicht vom Nutzlichen, sondern vom Guten regieren lassen werden, irgendwann, wenn wir es schaffen, unser Wissen nicht zu mi.brauchen und unser Leben nicht zu vergeuden, ein heller Tag sein wird und Freude uber der Erde und der Messias kommt und die Toten auferstehen werden, weil der Tod dem Geiste widerspenstig ist. Es wird das Ende unserer Welt sein, es wird der Anfang eines neuen geisti-gen Lebens, dessen Kommen von uns allen abhangt. Damals ha-be ich fast nichts verstanden, doch war ich durch Vaters Begei-sterung mitgerissen und wollte gluhend, da. die Toten auferste-hen und da. man nicht mehr stirbt. 

 

So war ich fest entschlossen, ein Arzt zu werden, der die Toten wiederbeleben kann, und um diesem Beruf naher zu kommen, habe ich mich nach dem siebenten Schuljahr bei einer Feld-scher- und Krankenpflegeschule angemeldet. Doch wurde mir sehr bald klar, da. das Medizinstudium allein mir die dazu er-forderlichen Qualitaten nicht verleihen kann, und nach kurzer Umschau in der Biologie und Chemie entschlo. ich mich fur das grundliche Studium der Physik und Mathematik. Au.erdem be-suchte ich Vorlesungen und Seminare in Logik, Philosophie, Wirtschaftstheorie, Linguistik, Stillehre, Sprachgeschichte und vieles mehr und saugte alles auf, was dem Verstehen von Geist und Leben helfen konnte.

 

Die ausgeubten Tatigkeiten mu. ich eigentlich auch zur Ausbil-dung zahlen, denn man lernt immer und jeder Tag ist neu. Inge-nieur, Schlosser, Dreher, Lehrer, Leichenschieber, Stra.enkeh-rer, Heilgehilfe, Buchbinder, Offsetdrucker, Referent, Wissen-schaftlicher Angestellter, Landarbeiter, Hochschullehrer, aus dem biographischen Kontext genommen, sagt das gar nichts, so wie ein paar Worter, die auf den Meeresstrand gekritzelt sind, nur die Skizze eines Gedichts sein konnen.

 

Keine spezifischen Probleme, Hoffnungen oder Ziele unter-scheiden mich von den anderen Menschen, noch von den Tieren, aber vielleicht die Art zu glauben, zu der ma.lose Skepsis und eben solche Faszination gehoren. 

 

„Warum schreiben Sie? Was ist der Sinn des Schreibens?“ – fragen Sie beilaufig. Ich mag das Schreiben nicht, wie man eine zwingende Notwendigkeit nicht mogen kann. Gedachtnisschwa-che ist der Grund furs Schreiben und das Leben ist sein Sinn. Alles Lebendige schreibt und liest. Die meisten schreiben nur in der Molekularsprache ihres Erbguts oder mit den Verletzungs-spuren auf ihrer und anderer Haut, aber immer ihre Geschichte und Erlebnisse. Wir alle sind Bucher, das ganze Universum ist

eine Bibliothek, und es gibt Einen Leser und Autor. Manche Bucher dieser Bibliothek wollen etwas bewirken und bewegen, dann mussen sie die sich selbst schreibenden Bucher werden. Ihr freier Wille wird daran gemessen, wieviel sie von sich selbst schreiben konnen. Ihr geistiger Teil wird mit Worten geschrie-ben. So kommt die Mit-ver-Autor-Wort-ung zustande, Mitver-antwortung zu Deutsch. Das ist menschlich. Denken und lieben konnen auch andere Tiere und uberhaupt, es gibt eine gro.e Ahnlichkeit zwischen dem Ganzen und seinen Teilen.

 

Auch ich mochte etwas bewirken und bewegen. Ich mochte, da. die Menschen sich nicht nur vom Nutzlichen, sondern vom Gu-ten regieren lassen, da. unser Wissen nicht mehr mi.braucht wird, da. die Menschen lernen, ihr Leben nicht zu vergeuden. Und ich mochte, da. die Toten auferstehen und da. man nicht mehr stirbt. Die ganze Bibliothek ist fur uns offen, und die Spra-che ist sowieso in allererster Linie Musik. Ich wei. nicht, wie berechtigt ich mich Schriftsteller nennen kann, mir geht aber der Sinn dieser alten Uberlieferungen auf, und ich mochte buchstab-lich verstanden werden.

 

Das ganze vielfaltige kooperative Schreiben und Lesen, Geben, Nehmen und Tauschen ist die Basis der Bibliothek. Die Wissen-schaft daruber soll Sprachphysik hei.en, die Praxis ist das Sein. Beim Nutzlichen geht es um die Verteilung, beim Guten um die Entscheidungsfahigkeit. So ware die Reduktion des Guten auf das Nutzliche der Freiheitsraub, und ohne die Freiheit des Wil-lens gibt es keine Humanoiden. Deshalb sind alle totalitaren Sy-steme unmenschlich, weil sie die Entscheidungsfahigkeit des Einzelnen unterdrucken.

 

Wir sind die sich selbst schreibenden Bucher, und das Atmen ist die Grundform des Schreibens. Prosa und Lyrik unterscheide ich voneinander nur durch die Arbeitsweise. In meiner Lyrik kom-muniziere ich unmittelbar mit der Sprache selbst und nur indi-

rekt mit dem Leser. Daher geht es mir primar um die maximale Prazision und um die musikalische Immanenz des Textes und erst dann um den menschlichen Adressaten. In der Prosa wende ich mich aber direkt an die Menschen, allerdings auf der Erfah-rungsbasis der Kommunikation mit der Sprache. Die Sprache ist fur mich der Raum, die Bibliothek in ihm das Ganze.  Die Schopfung und das Sein sind in beiden untrennbar. 

 

In der Sowjetunion konnte ich keine einzige Zeile veroffentli-chen. Der Chefredakteur der Zeitschrift „Junost’", Boris Pole-woj, druckte den Grund dafur so aus: „Ihre Gedichte sind gut genug, aber unauffangbar und doch deutlich nicht unsere!“ Die-ses „Nicht unsere“ war Ablehnung meiner ganzen Weltanschau-ung, meiner selbst und meiner Intention. Im Westen konnte ich bis jetzt nur wenig veroffentlichen, ein paar Gedichte in rus-sisch- und deutschsprachigen Almanachen und kleinen Zeit-schriften und in der Reclam-Anthologie der russischen Lyrik. Au.erdem noch einen Gedichtband „Solo na flejte“ in russischer Sprache und „Metamorphosenkorn“, das uberwiegend Uberset-zungen einiger meiner russischen und auch die ersten deutschen Gedichte enthalt. Fur das seit 1985 fertige Buch „Ein Tropfen Wort“ – eine lyrisch erzahlte Geschichte eines Intellektuellen, der durch ein totalitares Regime versklavt wird und durch die Auseinandersetzung mit der Kunst die Kraft und den Weg zu seinem menschlichen Ich und zum geistigen Aufstand wieder-findet – konnte ich keinen Verlag gewinnen1: Keiner mochte mit einem dem Markt nicht angepa.ten und nicht als Unterhaltung konzipierten Buch Verluste machen.

 

Jeder, der mehr als nur eine Sprache kennt, wei., da. manches aus einer Sprache in die andere nicht ubersetzbar ist. Das ist kein lexikalisches Problem. Jede Sprache tragt in sich die sprachimmanenten Verhaltensmuster. „Wie sagt man xyz auf

Deutsch?“ fragte ich einen Freund und erklarte ihm, was ich meine. „Nirgendwie“, sagte er, „so tut man auf Deutsch nicht sagen, sonst geriete die Sprachwelt aus den Fugen.“ Das ist ge-nau der Punkt! Die Fahigkeit, die Sprachwelten aufzubauen, um in der gegebenen Sprachwelt nicht versklavt zu bleiben, um ein-ander verstehen zu lernen und fur die eigene Ethik verantwort-lich sein zu konnen, diese Fahigkeit ist das Thema meines nach-sten Buches

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, eine lyrische Aufgabe. 

1 Inzwischen ist das Poem „Ein Tropfen Wort“ veroffentlicht in: NIKEISCHE LOWIN, Oberbaum Verlag, Berlin 1998.

 

Sollte es – frei nach Wilder – die Aufgabe des Dichters sein, das Gleichgewicht und die Harmonie zwischen dem Inneren und dem Au.eren herzustellen, so ist es gerade eine echte Heraus-forderung, wenn das Innere eine ganz andere Sprachwelt als das Au.ere darstellt, der naturliche Anfangszustand eines jeden Emigranten. Deswegen ist die Integration ein existentielles und literarisches Problem, das sich lange vor der Ausreise herauskri-stallisiert und als dessen Ergebnis die Emigration stattfindet. Al-so, die Emigration als ein markanter Schritt innerhalb des Inte-grationsprozesses. 

 

Als der Schauproze. gegen die Burgerrechtler Ginsburg und Galanskow 1969 anfing, zog mein Doktorvater vor dem Gerichtsgebaude ein Plakat hoch, auf dem stand: „Ich, Professor der Moskauer Universitat, Eugen Schapowal, protestiere hiermit gegen das unmenschliche...“ Nach eineinhalb Minuten wurde er verhaftet, in wenigen Tagen aber freigelassen. Im Parteizimmer der Physikalischen Fakultat legte mir ein sich nicht mit Namen vorstellender kahlkopfiger, knorriger Beamter eine vorgefertigte Zeugenaussage vor, in der stand, da. Schapowal angeblich seit langem schon die antisowjetische Propaganda unter seinen Schulern getrieben hatte und eine ideologisch feindliche Agita-taionsgruppe organisieren wolle. Ich weigerte mich, das zu un-terschreiben. „Da wirst du sitzen“, schrie mich der Kahlkopfige

an, „bis deine Blase platzt!“ Sechs Stunden spater, als die be-schamenden Erinnerungen an die nasse Kindheitshose aus mei-nem Gedachtnis spro.ten, fuhr er mit der Unterhaltung fort: „Na, Bursche, deine Dissertation kannst du vergessen, nichts wirst du mehr publizieren konnen...“

2 Das Buch hei.t NUR DER MENSCH, ist bis jetzt unveroffentlicht und liegt als Tiposkript vor.

 

Naturlich konnte eine Konfrontation mit dem sich fur allmachtig ausgebenden System und seinen anachronistischen Beamten al-leine nicht der ma.gebende Grund fur meine Ausreise gewesen sein. Und die unangenehmen Folgen dieser Konfrontation konn-ten es auch nicht. In Folge vieler Ereignisse und beinahe krampfhafter Versuche zu verstehen, was das ist, das sowjeti-sche System, bin ich zu dem Schlu. gekommen, da. es ein staatlich organisiertes Monumentalverbrechen ist, an dem ich nicht mehr teilnehmen wollte, und ich sah keinen vernunftigen Weg, es zu bekampfen. Jetzt wei. ich aber, da. mein Schlu. ei-ne Tauschung war. Das sowjetische System ist kein Verbrechen. auch wenn es gegen die eigene Gesetzgebung versto.t. Kein Volk kann Verbrecher sein und kein politisches System ein Ver-brechen. Moglicherweise war es gerade die sowjetische Menta-litat oder einfach meine Dummheit, die diesen Denkfehler verur-sachte, da. ich auf einmal verga., zu was solche Begriffe wie Volksfeind oder Volksverbrechen fuhren konnen und hier in Deutschland wie dort in der Sowjetunion bereits gefuhrt haben.

 

Das sowjetische System ist nicht verbrecherisch und war es niemals, auch zu Stalins Zeiten nicht. Heute klassifiziere ich das sowjetische System als eine Staatssklaverei mit allem, was dazu gehort, einschlie.lich Menschenhandel. Alle Angehorigen des Systems sind Sklaven, und nur die staatliche Totalitat ist der Herr, aber keine Person. Das widerspricht dem gar nicht, da. die Sowjets eine Hochkultur erzeugen und tragen konnen, wie es auch die archaischen theokratischen Staatssklavereien vermoch-ten. Die grausamen Massentaten nur als Verbrechen abzustem-peln, vertuschte die Wirklichkeit und verschonte ihr Wesen,

weil es beim Begriff ‘Verbrechen’ nicht um die Grundwerte der Menschlichkeit geht. Die Selbsterhaltungstriebe, die zu dem Abbau des Sklavenbewu.tseins verhelfen und die den Menschen in die Emigration fuhren, machen fur ihn auch die Integration in der neuen Umgebung moglich.

 

Ich verstehe darunter naturlich nicht, aufzuhoren zum Beispiel Russe zu sein und anzufangen Deutscher zu werden. Eine mog-liche und sinnvolle Integration verstehe ich als die Integration in das Metanationale, das Kosmopolitische. Die Sprache und Kul-tur des Herkunftslandes konnen, begattet durch die Sprache und Kultur des neuen Zuhause, zum Sprungbrett in den menschli-chen Kosmos werden. Das erwarte ich eigentlich von mir, wenn ich die nationale Idee als Keim der menschlichen Art und nicht nur als Bindung des Einzelnen verstehe. So ist doch auch ein Wort ein Keim des Satzes und nicht nur eine Buchstabenbande. 

 

Eine Skizze ist es nur, Punkt, Punkt, Komma, Strich, denn man lernt immer, und jeder Tag ist neu, und doch kann man das Ge-sicht erkennen, weil das Ganze und seine Teile ahnlich sind. Die Menschen im Westen sind durch ihre Geschichte anders. Die Deutschen haben zum Beispiel im Gegensatz zu den Sowjets ei-ne bessere Moglichkeit, von ihrer grausamen Vergangenheit Abstand zu nehmen, sie menschlich zu verarbeiten. Das schlagt sich in der jeweiligen Sprachwelt nieder. Die mentale Grenze zu uberwinden ist eigentlich das Allerschwerste, das ist auch der letzte Schritt des Emigranten, weil derjenige, der es schafft, kein Emigrant mehr ist. 

 

Das Ganze ist seinen Teilen ahnlich. Die Sklavenmentalitat des Einzelnen ist nichts anderes als das praskriptive Abbild der gan-zen Sklavengesellschaft, das sogenannte „Unsere“. Vierzig Jah-re lang mu.te Moses die Juden durch die Wuste Sinai fuhren, um mit dem Generationswechsel das Sklavenbewu.tsein zu uberwinden. Wenn wir das verstunden, dann wurden wir viel-

leicht die vierzig Jahre nicht warten mussen, um das Sklaven-reich innerlich zu verlassen. 

 

Als funfjahriges Kind habe ich die Botschaft meines Vaters nicht verstanden, aber einen Keim der Bedeutung in ihr aufge-fangen, die Faszination. Diese Vorbedeutung war fur mich der rettende Faden im Labyrinth der eigenen Blindheit. Das hierar-chische Verhaltnis zwischen der Vorbedeutung und der Bedeu-tung durchdringt unser ganzes Sein. Die Musik pragt die Vorbe-deutung fur das Gedicht, das Gedicht pragt sie fur die Prosa, die Prosa fur die Taten. Die strukturalistische Lehre uber die Vor-bedeutung habe ich Prasemantik genannt. 

 

Unfertig, prasemantisch gepragt und dadurch fa.bar sehe ich heute mein Leben auf dem Sprachwege. Das ist ein Weg. Meine Hauptlernquelle in Deutschland war Conradys „Das gro.e deut-sche Gedichtbuch“. Nur die Wege fuhren weiter. Einen offenen und erfullten Weg wunscht mir meine Geliebte, und den will ich erreichen.

 

 

 

Marz 1988

 

   
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Шапиро Борис (Барух) Израилевич родился 21 апреля 1944 года в Москве. Окончил физический факультет МГУ (1968). Женившись на немке, эмигрировал (декабрь 1975) в ФРГ, где защитил докторскую диссертацию по физике в Тюбингенском университете (1979). В 1981–1987 годах работал в Регенсбургском университете, занимаясь исследованиями в области теоретической физики и математической динамики языка, затем был начальником теоретического отдела в Институте медицинских и естественно-научных исследований в Ройтлингене, директором координационного штаба по научной и технологической кооперации Германии со странами СНГ.

В 1964–1965 годах создал на физфаке МГУ поэтический семинар «Кленовый лист», участники которого выпускали настенные отчеты в стихах, устраивали чтения, дважды (1964 и 1965) организовали поэтические фестивали, пытались создать поэтический театр. В Регенсбурге стал организатором «Регенсбургских поэтических чтений» (1982–1986) – прошло 29 поэтических представлений с немецкоязычными лириками, переводчиками и литературоведами из Германии, Франции, Австрии и Швейцарии. В 1990 году создал немецкое общество WTK (Wissenschaft-Technologie-Kultur e. V.), которое поддерживает литераторов, художников, устраивает чтения, выставки, публикует поэтические сборники, проводит семинары и конференции, организует научную деятельность (прежде всего для изучения ментальности), деньги на это общество пытается зарабатывать с помощью трансфера технологий из науки в промышленность. Первая книга стихов Шапиро вышла на немецком языке: Metamorphosenkorn (Tubingen, 1981). Его русские стихи опубликованы в сборниках: Соло на флейте (Мюнхен, 1984); то же (СПб.: Петрополь, 1991); Две луны (М.: Ной, 1995), Предрассудок (СПб: Алетейя, 2008); Тринадцать: Поэмы и эссе о поэзии (СПб: Алетейя, 2008), включены в антологию «Освобожденный Улисс».(М.: НЛО, 2004). По оценке Данилы Давыдова, «Борис Шапиро работает на столкновении двух вроде бы сильно расходящихся традиций: лирической пронзительной простоты „парижской ноты“ и лианозовского конкретизма» («Книжное обозрение», 2008, № 12). Шапиро – член Европейского Физического общества (European Physical Society, EPS), Немецкого Физического общества (Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V., DPG), Немецкого общества языковедения (Deutsche Gesellschaft fur Sprachwissenschaften e. V., DGfS); Международного ПЕН-клуба, Союза литераторов России (1991). Он отмечен немецкими литературными премиями – фонда искусств Плаас (1984), Международного ПЕН-клуба (1998), Гильдии искусств Германии (1999), фонда К. Аденауэра (2000).

 

   
     

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